Auswirkung von Hörschädigung


Nur ein bisschen schwerhörig?

Was ist die offensichtliche Auswirkung einer Hörschädigung? Man hört weniger!

Hörschädigung gibt es in vielen Ausprägungen. Man sieht sie nicht. Sie schmerzt auch nicht. Aber sie sollte nie ignoriert werden. Denn schlecht hören können bedeutet immer, eingeschränkt kommunizieren zu können.

Zunächst gibt es einen medizinischen Grund, warum man Hörschädigung nicht ignorieren, sondern soweit wie möglich mit Hörhilfen "behandeln" sollte. Das Gehirn braucht Training wie ein Muskel. Die Fähigkeit zur Verarbeitung von Tönen im Gehirn kann man verlernen. Also: auch hören will geübt sein.

Der zweite Grund, warum man Hörschädigung nicht ignorieren sollte, ist fast wichtiger, denn er ist sozialer Natur:

Eine Hörschädigung macht ohne Zweifel die Kommunikation schwieriger. Damit einher geht die Gefahr einer sozialen Isolation, wenn man bei seiner Hörschädigung nicht begleitet und mit professionellen Hilfen versorgt wird.

Es ist wichtig, dass man sich nicht davon einschüchtern lässt, dass Schwerhörigkeit als lästige Alte-Leute-Krankheit abgetan wird. Niemand muss sich für eine Hörschädigung schämen oder sie verstecken. Es gibt heute schicke, kleine, unauffällige Hörgeräte.

Hörschädigung bedeutet, dass es leichter zu Missverständnissen kommt. Teilhaben an Unterhaltungen wird faktisch anstrengender, Situationen werden unerträglich, weil Hörgeräte überfordert sind und "lauten Klang-Brei" produzieren. Betroffene fühlen sich ausgeschlossen, Gesprächspartner sind irritiert. Es droht soziale Isolation. Auch berufliche Probleme können Folge von Hörschädigungen sein.

Wer aktiv mit einer Hörschädigung umgeht, muss weder sein soziales Leben aufgeben noch unglücklich sein. Wie weit ein Betroffener in seinem Leben eingeschränkt ist, kann von ihm selbst und seiner Umgebung beeinflusst werden:

 

  • Ziehen Sie sich nicht zurück. Gehen Sie davon aus, dass Ihr Gegenüber nicht immer über Ihre Hörschädigung nachdenkt. Melden Sie sich.

 

 

  • Tauschen Sie Ihre Erfahrungen mit anderen aus, z. B. im Schwerhörigen-Treff.

 

  • Lernen Sie, Ihre Hörschädigung als Teil Ihrer selbst anzunehmen und setzen Sie Hörhilfen ein.

 

  • Fragen Sie nach! Lassen Sie Ihre Umgebung nicht im Unklaren. Warum muss sich Ihr Gegenüber erst wundern, dass Sie ihn so konzentriert anstarren? Sagen Sie Bescheid und er wird sicher gerne deutlich sprechen und Ihnen dabei sein Gesicht zuwenden. Jeder Moderator verwendet ein Mikrophon zur Verstärkung seiner Stimme. Warum sollten Sie kein Hörgerät zur Verstärkung Ihres Gehörs verwenden? Das ist nicht peinlich!


Was bedeutet Gehörlosigkeit?

 

Kennen Sie den Musiker und Sänger Herbert Grönemeyer? Bestimmt haben Sie im Radio schon mal seinen Titel "Musik nur, wenn Sie laut ist" gehört? Ein Lied über eine gehörlose junge Frau. Hat Sie dabei vielleicht auch das Gefühl beschlichen, dass es nichts Schlimmeres gäbe als ein Leben ohne Musik?

Tatsächlich mögen viele Gehörlose Musik. Sie können den Bass und die Schwingungen spüren, manche haben ein geringes Resthörvermögen. Aber im Großen und Ganzen vermissen Gehörlose die Musik nicht. Wer gehörlos ist, hat in der Regel nicht das Gefühl, dass etwas fehlt.

Gehörlose sind stattdessen Augenmenschen. Sie nehmen ihre Umwelt optisch wahr. Gebärdensprache ist dabei für Gehörlose nicht nur Ersatz für Lautsprache, sie ist eine eigene Sprache mit dem Zugang zu einer eigenen Welt. Man denkt wie man spricht. Ein Engländer hat Englisch, ein Hörender Deutsch, ein Gehörloser die Deutsche Gebärdensprache.

Wenn Sie an Musik denken, denkt ein Gehörloser an Gebärdensprachpoesie. Vielleicht wird er Sie auch einmal stolz zu den nächsten Kulturtagen der Gehörlosen einladen und Ihnen einen Gebärdensprachchor zeigen. Die Kultur der Gehörlosen ist eine reichhaltige und schöne Kultur!

D - wie Deaf

 

Gehörlos ist man, wenn das Gehör von Geburt oder seit der Zeit vor dem Spracherwerb an nicht mehr ausreicht, um akustische Reize ohne Hörhilfen wahrzunehmen. Spricht man einen Gehörlosen von hinten an, wird er dies üblicherweise nicht bemerken. Gleichwohl kann es passieren, dass er zusammenzuckt, wenn ein Presslufthammer neben ihm gestartet wird, da 98% aller Gehörlosen über ein minimales Resthörvermögen verfügen. Dieses reicht jedoch in keinem Fall aus, um Sprache zu verstehen.

Weil Kommunikation nur untereinander problemlos möglich ist, bilden Gehörlose eine besondere Gemeinschaft. Besonders beliebt ist die englische Bezeichung "Deaf". Gerade bei den jüngeren Gehörlosen wird dieses Attribut mit Stolz verwendet. Man betrachtet sich selbst als Mitglied einer Gemeinschaft, in der man sich wohl fühlt. Gehörlos sein bedeutet, einer bestimmten Kultur anzugehören. Aber auch die Bezeichnung "taub" oder "gehörlos" wird akzeptiert. Als "taub" bezeichnen sich Menschen, die nicht hören können, aber lautsprachlich aufgewachsen sind, deren "Muttersprache" also die deutsche Lautsprache ist. Gehörlose Menschen haben eine andere Muttersprache: die deutsche Gebärdensprache. Ihre Kultur ist die Gehörlosenkultur, die auf der Gebärdensprache basiet.


Gehörlos =  behindert?


Gehörlose können nicht hören. Einige von ihnen würden gerne hören können, weil ihr Leben dann einfacher wäre. Sie könnten problemlos beim Arzt anrufen und einen Termin vereinbaren und müssten niemanden um Hilfe bitten, weil in der Wohnungsanzeige nur eine Telefonnummer angegeben ist.

Obwohl diese Einschränkung lästig ist, empfinden viele Gehörlose sich nicht als behindert. Sie sind in der Gehörlosengemeinschaft eingebettet und haben intaktes soziales Umfeld.

Gehörlose möchten ihre Bedürfnisse selber vertreten. Wenn man einem Gehörlosen die notwendigen Informationen gibt, kann er genauso gut wie jeder hörende Mensch für sich selbst entscheiden, wie er sein Leben gestalten möchte.


Und hier liegt eines der entscheidenden Probleme:

Die Menge der Informationen, die Hörende nebenbei aufnehmen, ist riesig. Von der Gleisänderung, die am Bahnhof über Lautsprecher durchgegeben wird über die Unterhaltung mit dem Vermieter im Treppenhaus bis zu den Nachrichten im Autoradio. All dies fehlt Gehörlosen. Was sie nicht sehen können, bekommen sie auch nicht mit.

Stellen Sie sich vor, sie sitzen auf einem Fest. Der Raum ist voller gehörloser Menschen. Plötzlich sind Sie derjenige, an dem die Information vorbei geht. Möchten Sie deshalb, dass die Gehörlosen Ihnen Entscheidungen abnehmen? Oder dass man Ihre Mutter fragt, welche Sorte Kuchen Ihnen heute wohl schmeckt, nur weil Ihre Mutter gebärden kann? Nein, das würden Sie nicht wollen.

Genau deshalb ist es wichtig, dass Gehörlose die Möglichkeit haben, sich ihre Information selber zu beschaffen und ihre Meinung eigenständig zu äußern.

Die Unterstützung der Familien ist dabei enorm wichtig. Noch wichtiger ist aber die Möglichkeit, unabhängig auf Gebärdensprachdolmetscher, visuelle Informationen und Beratungsstellen zurückgreifen zu können.

Gehörlose Menschen  können an ihrer Situation von sich aus nichts ändern, daher gibt es nur einen möglichen Ansatz:

Es ist die Aufgabe der Hörenden unsere Welt so zu gestalten, dass auch die Gehörlosen gut in ihr Leben können, eine inklusive Gesellschaft muss geschaffen werden:


 
  • durch Barrierefreiheit
  • durch offenen Umgang mit allen Menschen, ob hörend oder hörgeschädigt
  • durch gute Schulbildung
  • durch Begegnungszentren für das soziale Leben, wie im Hörgeschädigtenzentrum Aachen und
  • Beratungsstellen wie im Hörgeschädigtenzentrum Aachen.

Damit ein selbständiges, erwachsenes Leben auf Dauer möglich ist, sind Gehörlose auf Ihre Unterstützung angewiesen.