Geschichte des Hörgeschädigtenzentrums

 
Die Geschichte des Hörgeschädigtenzentrums ist untrennbar mit der Geschichte der Arbeitsgemeinschaft zur Förderung Hörgeschädigter e.V. verbunden.
 

Die Arbeitsgemeinschaft wurde am 20.10.66 gegründet. Damals hatte sie noch den Namen Arbeitsgemeinschaft der Eltern und Förderer gehörloser und schwerhöriger Kinder an der Rhein. Sonderschule für Gehörlose Aachen (dem Vorgänger der heutigen David-Hirsch-Schule). Sie hatte sich das Ziel gesetzt, die Interessen der Eltern und Schüler der Gehörlosenschule zu vertreten. Praktisch nahm der Verein die Aufgabe einer Elternpflegschaft und die eines Fördervereins wahr.

Schon bald nach der Gründung musste der junge Verein beweisen, welche Kraft er besitzt. Die Aachener Gehörlosenschule sollte geschlossen werden. Nach einem langen und zähen Kampf konnten die Eltern - an ihrer Spitze die agile Vorsitzende, Frau Helen Brosius - einen Erfolg verbuchen. Der Petitionsausschuss des Landtages entschied, dass die Schule in Aachen bleibt. 1978 konnte sogar das neue Schulgebäude der David Hirsch Schule in Aachen-Laurensberg eingeweiht werden. Vorausgegangen waren viele Elternversammlungen, viele Verhandlungen mit dem Landschaftsverband sowie der Landesregierung, viele Gespräche mit Politikern und sonstigen Institutionen. Unvergesslich ist in diesem Zusammenhang die Demonstration mit der großen Unterschriftensammlung.

Viele dieser Aufgaben hat dann die inzwischen ins Leben gerufene Schulpflegschaft übernommen. Dadurch konnte die Arbeitsgemeinschaft sich anderen Aufgaben widmen. Sie änderte ihren Namen und heißt seit dem Arbeitsgemeinschaft zur Förderung Hörgeschädigter e. V.

Ziel der Arbeitsgemeinschaft ist es, den Gehörlosen und hochgradig Schwerhörigen in Aachen und Umgebung beiseite zu stehen und ihnen ein möglichst selbständiges Leben zu ermöglichen.

Schon in den 70er Jahren unterhielt die Arbeitsgemeinschaft zeitweise eine Beratungsstelle. Diese befand sich in der Martin Luther Straße. Bis Ende 1989 hatte der Verein dort zwei bescheidene Büroräume.

Unter dem Vorsitz von Johannes Aengenheister wurden der Junior-Club sowie der Gehörlosen-Seniorclub ins Leben gerufen. Letzterer besteht heute noch.

Bereits 1989 zeichnete sich ab, dass die Gehörlosen größere Räume brauchten, um Sitzungen abzuhalten und auch kleinere Vereinsfeste zu feiern.

Fast zur gleichen Zeit erklärte der Landschaftsverband Rheinland, dass er den Berufsbegleitenden Dienst für Gehörlose (heute IFD Berufsbeglei­tung) auch auf Aachen ausdehnen wollte. Dies war die große Chance, ähnlich wie in anderen Städten ein Zentrum für Hörgeschädigte zu errichten. Neben der Beratung für im Berufsleben Stehende sollte es aber auch eine Beratung für alle anderen Lebenslagen geben.

Die Arbeitsgemeinschaft übernahm daher nicht nur die Trägerschaft für die Beratungsstelle für Gehörlose im Berufsleben, sondern unterhält seit dieser Zeit die Beratungsstelle für Hörgeschädigte, die sich auf allgemeine soziale Fragen konzentriert.

Das erste Zentrum befand sich in der Schumacher Straße. Aber schon bald zeigte sich, die Räume in der Schumacher Straße waren zu klein. Nach intensiver Suche ergab sich die Möglichkeit, in die alte Hemdenfabrik Schlichting an der Krefelder Straße 247 einzuziehen. Das Fabrikgebäude war aber noch kein Zentrum. Hier musste noch viel geschehen. In Eigenregie haben dann die Gehörlosen die angemieteten Räume ausgekernt, neue Wände gezogen und zum 1. Hörgeschädigtenzentrum (HGZ) umgebaut. Dies war eine enorme Anstrengung, die sich aber gelohnt hat. Das HGZ wurde zu einem Mittelpunkt für das Leben der Gehörlosen.

Bei der Gründung des HGZ war die Beratungsstelle für Hörgeschädigte mit einer Zeitkraft besetzt. Es war also nicht klar, wie lange die Beratungsstelle geführt werden konnte. Zum 1.1.92 gelang es dann, eine Festanstellung finanziell abzusichern. Sowohl die Stadt Aachen als auch der Kreis Aachen garantieren mit ihren Zuschüssen seitdem das Bestehen der Beratungsstelle für Hörgeschädigte.

Da nicht nur Gehörlose aus der Stadt und dem Kreis Aachen die Beratung in Anspruch nehmen, sondern auch vermehrt Gehörlose aus den Kreisen Heinsberg und Düren musste die Frage der Finanzierung der Beratungsstelle für diese Personengruppe neu gestellt werden. Die Kreise Heinsberg und Düren mussten von der Notwendigkeit der Beratungsstelle für Hörgeschädigte überzeugt werden. Dies gelang im Kreis Heinsberg im Verlaufe des Jahres 1992 und im Kreis Düren im Jahre 1996.

Im Jahre 1992 erklärte sich die Stadt Aachen ebenfalls bereit, dem einzelnen Gehörlosen die Kosten für eine bestimmte Anzahl von Stunden zu ersetzen, die durch den Einsatz von Gebärdensprachdolmetschern entstehen. Sie kam damit einer Forderung nach, die die Gehörlosen aus dem Aachener Raum schon lange gestellt hatten. 1998 gelang es, auch den Kreis Aachen von der Notwendigkeit der Kostenbeteiligung zu überzeugen.

Dies ermöglichte der Arbeitsgemeinschaft, in ihren Räumen eine Dolmetscherzentrale einzurichten, die seit dem sowohl die Vermittlung von Gebärdensprachdolmetschern als auch die Abrechnung der Kosten vornimmt.

Nach mehr als zehn Jahren platzte das alte Hörgeschädigtenzentrum an der Krefelder Straße aus allen Nähten. Die Arbeitsgemeinschaft fasste daher den mutigen Entschluss, ein eigenes Hörgeschädigtenzentrum zu bauen.

Im Jahr 2003 war es dann soweit. Der Verein erwarb ein Grundstück und eine Halle an der Talbotstraße 13. Noch war das Gebäude nur eine leere Halle, aber schon am 8. November 2003 konnte der Grundstein für den Umbau gelegt werden. Von nun an verging kein Wochentag, an dem nicht eine Handvoll Leute auf der Baustelle waren und zupackten. An den Wochenenden sah man bis zu 40 Personen gleichzeitig ehrenamtlich bei den Bauarbeiten helfen. So entstand "Unser Haus". Ein Haus, das von den Hörgeschädigten für Hörgeschädigte errichtet wurde und von der Arbeitsgemeinschaft und dem Beirat mit Mitgliedern der verschiedenen Hörgeschädigtenvereine verwaltet wird. Im April 2004 konnte die offizielle Einweihung gefeiert werden.

Heute präsentiert sich das Hörgeschädigtenzentrum (HGZ) als ein modernes Zentrum für Hörgeschädigte. Ein durch die Gehörlosen selbstverwalteter Bereich und ein Dienstleistungsbereich für die Hörgeschädigten befinden sich unter seinem Dach. Neben den Versammlungsräumen findet sich ein Weiterbildungs- und Schulungsbereich mit der Möglichkeit Kurse, z. B. in Gebärdensprache oder im Bereich Computer-Ausbildung zu belegen.

Der große Erfolg des Hörgeschädigtenzentrums hat gezeigt, wie dringend ein solches Zentrum gebraucht wird. Fast täglich sind die Räumlichkeiten mit Veranstaltungen belegt. Das Hörgeschädigtenzentrum hat sich als zentrale Anlaufstelle bewährt.

Inzwischen hat sich auch eine Gruppe schwerhöriger Menschen zusammengetan und eine Selbsthilfegruppe gebildet. Sie nutzen das HGZ zum Gedankenaustausch über ihre spezifischen Probleme, die sich aus dem Hörverlust ergeben.

Schon frühzeitig hat sich der Vorstand der Arbeitsgemeinschaft bemüht, eine Antwort auf die Frage zu finden, wie das Hörgeschädigtenzentrum auf lange Sicht für die Hörgeschädigten in Aachen erhalten werden kann, auch für den Fall, dass Zuschüsse aufgrund knapper öffentlicher Haushalte einmal eingeschränkt werden könnten.

Aus diesem Grund wurde 2005 die Gründung der Stiftung Hörgeschädigtenzentrum (HGZ) beschlossen. 2006 waren die Vorbereitungen soweit abgeschlossen und das erforderliche Mindestkapital für eine Genehmigung durch den Regierungspräsidenten war dank der Hilfe einiger großzügiger Stifter erreicht. Das nächste Ziel ist der Aufbau eines Kapitalstocks, der ausreicht, um die Ziele der Stiftung den nachhaltigen Erhalt des HGZ sicherstellen zu können. Hilfe und gute Ideen zur Unterstützung der Stiftung werden hierbei gerne entgegen genommen!