Arten von Hörschädigungen


 

Es gibt sehr unterschiedliche Arten von Hörschädigungen. Auch die Schwerhörigkeit kann sehr unterschiedlich bei den einzelnen Menschen sein.


So ist die Spanne zwischen leichtgradiger Hörschädigung bei Kindern und einer Altersschwerhörigkeit weit, am deutlichsten  ist der Unterschied bei von Geburt an vorhandener Gehörlosigkeit.


 Die Arten der Hörschädigung kann man entweder aus medizinischer Sicht unterscheiden oder anhand ihrer Auswirkungen für das Alltagsleben.
 

Medizinisch unterscheidet man nach:

 

  • der Fähigkeit nur bestimmte Lautstärken zu hören (Hörverlust in Dezibel) und
  • der Fähigkeit nur bestimmte Tonhöhen zu hören (betroffene Frequenzbereiche in Hertz)
       

Das bedeutet, Schwerhörigkeit ist also nicht nur alles wird leiser sondern manchmal auch bestimmte Bruchstücke fehlen oder eine bestimmte Stimmlage verstehe ich nicht.

 

Der medizinische Grad der Hörschädigung wird mit Hilfe audiometrischer Verfahren durch Ärzte und Hörgeräteakustiker festgestellt. Für Kinder gibt es spezielle pädaudiologische Untersuchungen z. B. im Uniklinikum Aachen, Hannover.

 

Die Auswirkung auf das Alltagsleben macht man vor allem daran fest, ob ein Mensch noch in der Lage ist, Lautsprache zu erlernen und anzuwenden. Der pädagogische Ansatz unterscheidet demnach, ob ein Mensch aufgrund seiner Hörschädigung eher auditiv, d.h. mit Lautsprache oder eher optisch, d.h. mit Gebärdensprache kommuniziert. Dies ist auch wichtig für eine eventuelle Frühförderung hörgeschädigter Kinder.

 

In der Praxis werden beide Beschreibungen gemischt, da sie in ihren Auswirkungen nicht im Alltag zu trennen sind. Hier eine grobe Übersicht:

  

Grad der Hörschädigung

Erläuterung

Information

leichtgradige Schwerhörigkeit

Hörverlust im Hauptsprachbereich 25-40 db

das reicht in der Regel, um Lautsprache zu erlernen und normalen Unterhaltungen zu folgen

mittelgradige Schwerhörigkeit

Hörverlust im Hauptsprachbereich 40-70 db

Lautsprache kann verstanden werden, aber mühsam.

Hörgeräteversorgung ist angebracht.

Beim Spracherwerb muss man mit Problemen in Aussprache und Ausdruck rechnen.

hochgradige Schwerhörigkeit

Mittlerer Hörverlust zwischen 70 und 100 db

Ab 85 db spricht man von an Taubheit grenzender Schwerhörigkeit

Lautsprache kann nicht oder nur mit Hilfe optimaler Hörgeräteversorgung erlernt werden. In vielen Fällen ist eine (parallele) Erziehung in Deutscher Gebärdensprache zur Sicherstellung der Kommunikation sinnvoll.

In einigen Fällen kommt eine Versorgung mit Cochlear-Implantat in Betracht.

Gehörlosigkeit/Taubheit

Im Bereich zwischen 125 und 250 Herz mehr als 60 db Hörverlust

im übrigen Frequenzbereich 90 db

Restgehör kann vorhanden sein

Eine Kommunikation über Lautsprache ist nicht mehr möglich.

Zur Kommunikation sollte Deutsche Gebärdensprache eingesetzt werden. Lippenlesen ist kein adäquater Ersatz, da höchstens 30% verstanden werden können. Man unterscheidet zwischen Gehörlosigkeit, wenn die Hörschädigung vor dem Spracherwerb vorlag und Spätertaubung, wenn die Hörschädigung nach dem Spracherwerb (ca. 4 Lebensjahr) eingetreten ist.

 

Da sich die Arten von Hörschädigung sehr unterscheiden, muss im Einzelfall in Absprache mit Medizinern, Pädoaudiologen und Pädagogen entschieden werden, welche Hilfen und Förderung sinnvoll sind.

 

Wichtig ist:

 

  • Keine Angst vor dem Einsatz von Gebärdensprache. Kann ein Kind gut genug hören, wird es sich automatisch der Lautsprache zuwenden. Reicht das Hören nicht, kann es mit Gebärdensprache alle Informationen bekommen, die für eine normale Entwicklung nötig sind. Gebärdensprache und Lautsprache sind kein "entweder-oder".

 

  •  Beratungsstellen (z.B. im HGZ) und Frühförderungsangebote (z.B. an der David-Hirsch-Schule in Aachen) nutzen.

 

  • Technische Hilfen frühzeitig einsetzen, damit Hörreste nicht verlernt werden und damit verloren gehen.

 

  • Die Hilfen von Akustikern und Medizinern annehmen. Hörgeräte-Anpassung braucht Zeit, aber Hören hat schließlich auch einen hohen Stellenwert.

  • Cochlear-Implantate können hervorragende Ergebnisse bringen, im Einzelfalle aber auch nur mittlere oder gar keine Erfolge. Vor operativen Eingriffen gut informieren! Sie haben ausreichend Zeit, die für Ihren Fall beste Lösung zu finden.